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Börsengeschichte Folge 5: Staatspleiten

6. März 2020

Staatspleite beschreibt vereinfacht den unschönen Zustand, in dem ein Staat seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Wie kann es dazu kommen?

Die Pazifikinsel Nauru war in den 70ern ein Paradies: Der Staat zahlte alles – Autos, Kino, Versicherungen. Dies war möglich, weil Nauru einen sagenhaften Bodenschatz hatte: Guano = Vogelkot, reich an Phosphor. Dieser Phosphor war (und ist) gefragter Bestandteil von Dünger.

Der Abbau machte Nauru reich, nur gab der Staat das Geld so schnell aus, wie es rein kam. Als der Guano weg war, wurde der Staat zum Armenhaus.

Norwegen hat mit seinem Staatsfonds daraus die richtigen Lehren gezogen und macht das Gegenteil. Es legt die Einnahmen am Kapitalmarkt an und schafft sich so ein Polster für die Zeit „nach dem Erdöl“. Deutschland selbst war nach 1900 politisch bzw. ökonomisch 6x pleite:

  1. 1914 wurde die Goldmark (weil aus Edelmetall) gegen die Mark („Papiermark“) eingetauscht. Hätte man die Goldmark behalten, wäre Deutschland bereits nach 1 Jahr Krieg pleite gewesen.
  2. 1923 zwang die Hyperinflation zur Abschaffung der Mark. Alte Staatsanleihen wurden teils für wertlos erklärt und die Rentenmark eingeführt.
  3. 1929 (mittlerweile war aus der Rentenmark die Reichsmark geworden) und
  4. 1932 musste das damalige Deutschland mit seinen Gläubigern wegen seiner Kriegsschulden verhandeln, weil der Staatshaushalt die Zahlungen nicht mehr ermöglichte. Es wurden teils Umschuldungen beschlossen, ohne die Deutschland wiederum pleite gewesen wäre.
  5. 1948 war das Geld und damit das Geldvermögen nahezu komplett wertlos. Die D-Mark kam.
  6. 1952 wurde im Londoner Abkommen der BRD 50% der damaligen Schulden erlassen.

Die Auswirkungen einer Staatspleite verrate ich euch in Teil 2, freut euch drauf.


Autor/in

Alois Sattler

In dem regelmäßigen Videoformat Börsengeschichte werden die Börsen-Themen mit Humor und einem Augenzwinkern präsentiert – auch vor Kostümen scheue ich mich nicht.

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