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Der Enkeltrick – eine altbekannte und doch brandaktuelle Betrugsmasche – Teil 2 mit Praxisfall

14. Januar 2021

Kürzlich haben wir euch über die Vorgehensweisen beim Enkeltrickbetrug informiert. Wie man auch als Nachbar aktiv helfen kann, berichten wir heute in Teil 2 mit Hintergrundinformationen unserer Kundin Birgit Buchborn-Klos. Sie hat einen Betrugsversuch verhindert und durch bewusste Kontaktaufnahme zur Polizei zur Festnahme des Geldboten beigetragen. Für Ihre Zivilcourage wurde sie im Dezember auch vom rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz ausgezeichnet. Wir haben uns Ihre Erfahrungen in einem Telefoninterview schildern lassen.

Frau Buchborn-Klos, wie haben Sie vom Betrugsversuch erfahren und was war Ihr erster Gedanke? Wie haben Sie danach reagiert?

Meine Nachbarin wurde von den Betrügern angerufen und fuhr danach mit einem bereits bestellten Taxi zu Ihrer Filiale in der Bahnhofstraße in Frankenthal. Eine Verwandte hatte angeblich dringend Geldbedarf für einen Notartermin zwecks Immobilienerwerb. Der Zufall war, dass ein paar Monate vorher tatsächlich mal der mögliche Immobilienerwerb von dieser Verwandten erwähnt wurde. Dieser „dumme“ Zufall verstärkte für meine Nachbarin noch die vermeintliche Echtheit. Vom Mitarbeiter der Filiale wurde sie mehrfach darauf hingewiesen, dass hier betrügerische Absichten dahinterstecken dürften. Vielleicht hat das dann auf der Heimfahrt doch noch ein Nachdenken bei ihr ausgelöst. Wir haben ein nachbarschaftliches vertrauensvolles Verhältnis. Sie hat mir dann erzählt, dass sie gerade eine nicht unerhebliche fünfstellige Summe bei der Sparkasse abgehoben hat. Da hat bei mir sofort das Bauchgrummeln eingesetzt. Ich habe nicht lange gezögert und die Polizei verständigt. Diese hat dann sofort alle Maßnahmen in die Wege geleitet und konnte den Geldboten vor Ort bei der Übergabe festnehmen. Mittlerweile ist der Täter zum wiederholten Male wegen Enkeltrickbetrugs verurteilt. Leider ist er aber nur die Spitze des Eisbergs, wenn man bedenkt, dass nach unserem Fall noch vier weitere solcher Betrügereien in unserem Ort passiert sind.

Ich bin froh, dass ich die Straftat verhindern konnte und wurde auf Vorschlag des Kriminalbeamten aus Ludwigshafen für die Auszeichnung durch den rheinland-pfälzischen Innenminister nominiert. Am schönsten ist jedoch immer noch das positive Gefühl und die Gewissheit, das Richtige getan zu haben, ohne großes Aufsehen zu erregen, und ohne dass Menschen persönlich und finanziell zu Schaden gekommen sind.

Welche praktischen Ratschläge geben Sie potentiellen Opfern und deren Angehörigen, Freunden und Nachbarn?

In meinem Fall war es immens wichtig, dass ich mit meiner Nachbarin seit vielen Jahren ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis habe. Wir sind nicht beste Freundinnen aber wir vertrauen uns soweit, dass wir uns auch solche Dinge wie eben die große Bargeldabhebung erzählen können. Das war in diesem Fall ausschlaggebend. Ich hätte den Enkeltrickbetrug wohl nicht verhindern können, wenn ich den Täter nur durchs Fenster bei der Übergabe gesehen hätte. Es ist mir sehr wichtig, zu betonen, dass ältere Menschen in ihrem direkten privaten Umfeld ein gutes Verhältnis zu vertrauten Personen haben sollten, mit denen sie auch mal über solche Sachen reden können, die Unsicherheit und vielleicht auch Verlegenheit hervorrufen. Wenn direkte Angehörige nicht vor Ort sind, dann sollte man dementsprechend mit seinen Nachbarn ein gutes Verhältnis pflegen. Für meine Nachbarin war das in diesem Fall von großer Bedeutung.


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