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Internationaler Frauentag: Im Gespräch mit unseren Gleichstellungsbeauftragten

8. März 2021

v.l.n.r: Manuela Zöllner-Nabinger und Monika Schulze erzählen über die Gleichstellung in der Sparkasse Rhein-Haardt

Der internationale Frauentag ist ein Tag, der klassischerweise dazu genutzt wird, um zu reflektieren, wie es um die Gleichberechtigung steht. Frau Zöllner-Nabinger und Frau Schulze, Sie sind beide Gleichstellungsbeauftragte der Sparkasse Rhein-Haardt. Warum ist Ihrer Meinung nach der internationale Frauentag so wichtig?

Frau Zöllner-Nabinger: Weil Gleichstellung und Chancengleichheit kein Zustand ist, den wir erreicht haben. Vielmehr ist es eine Zielsetzung und eine stetige Entwicklungsaufgabe unserer Gesellschaft, an der wir kontinuierlich weiterarbeiten. Klar könnte man sagen, Frau kann heute alles. Sie kann wählen, sie kann ein eigenes Bankkonto eröffnen (…seit 1958) oder sie darf ohne Erlaubnis des Ehepartners arbeiten gehen (… seit 1977!!). Das sind Errungenschaften, die heute gar nicht mehr wegzudenken sind.

Seit 1995 gibt es ein Landesgleichstellungsgesetz in Rheinland-Pfalz, die Novelle kam 2015. Doch auch die gesetzlichen Regelungen konnten nicht vermeiden, dass es immer noch Handlungsbedarf in Sachen Gleichstellung gibt. Nach wie vor besteht Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen und Gremien, noch sind die Männer führend in der Besetzung höherer Entgelt- und Besoldungsgruppen.

Insbesondere die Corona-Pandemie hat uns gezeigt, dass es eine Rolle rückwärts bei der partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit nicht geben darf. Frauen leisten jeden Tag Enormes im Beruf, in der Familie und derzeit noch zusätzlich im Homeschooling.

Diese aktuelle enorme Zusatzbelastung wird häufig nicht gesehen. Es bedarf grundsätzlich, aber insbesondere in Zeiten derartiger Zusatzbelastungen mehr Unterstützung und bessere Rahmenbedingungen in unserer Gesellschaft, aber auch in den einzelnen Firmen. Und dies gilt es für die Zukunft voran zu treiben.

Vor 100 Jahren war es das Hauptziel der Frauen, das Wahlrecht durchzusetzen. Wo liegen die Prioritäten heute?

Frau Schulze: Die Schwerpunkte sind so vielfältig wie die Ungleichheiten.

  • Faire Entlohnung
  • Chancengleichheit
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familienarbeit
  • Finanzielle Unabhängigkeit von Frauen
  • Stopp von Gewalt gegen Frauen
  • Sexuelle Belästigung

Es werden Themen in den Fokus gestellt, die auch nach Jahrzehnten Gleichstellungsarbeit immer noch nicht zufrieden stellen. Das Thema „Frauen in Führungspositionen“ ist heute noch genauso aktuell wie vor dreißig Jahren. An der Ausbildung liegt es nicht, Frauen sind bestens ausgebildet. Man kann unzureichende Rahmenbedingungen anführen, aber auch fehlende Förderung und Motivation.

Von der Kultur der Gleichstellung sind wir – auch nach Jahren des Strebens danach – weit entfernt. Den Frauen stehen zwar theoretisch alle Wege offen, allerdings scheitert es nach wie vor an der Rollenverteilung innerhalb der Gesellschaft. Solange Frauen aufgrund ihres Geschlechts für Familienmanagement, Haushalt, Kochen, Kinderbetreuung und Altenpflege zuständig sind, können sie sich nicht gleichermaßen wie Männer der Karriere widmen. All diese Aufgaben unter einen Hut zu bekommen, führt zu einer fast übermenschlichen Belastung. Die Gesellschaft muss verstehen, dass die klassischen Rollenbilder überholt sind. Männer können derartige Aufgaben ebenso übernehmen.

Frau Zöllner-Nabinger und Frau Schulze, wie wird Gleichstellung im Hause der Sparkasse Rhein-Haardt gelebt? Werden Frauen speziell gefördert?

Frau Zöllner-Nabinger: Dies zeigt sich bereits bei der Auswahl der Auszubildenden. In den letzten Jahren ist es immer gelungen, eine ausgewogene Anzahl von weiblichen und männlichen Auszubildenden zu gewinnen. Auch nach der Ausbildung stehen Frauen und Männern die gleichen Möglichkeiten der Weiterbildung offen und werden auch vielfältig genutzt. Der Anteil der Frauen unter den Beschäftigten der Sparkasse Rhein-Haardt ist mit einer Quote von über 50% hoch. Allerdings ist hinsichtlich der Besetzung von Führungspositionen keine Ausgewogenheit mehr zu erkennen. Dies ergibt sich auch daraus, dass auf die Ausschreibung von Führungspositionen oftmals keine Bewerbungen von Frauen erfolgen. Da hilft auch die persönliche Ansprache oder das Nachhaken nur selten. Oft fehlt es an der eigenen Überzeugung, für eine Führungsposition geeignet zu sein.

Wird die Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch spezielle Programme in der Sparkasse Rhein-Haardt unterstützt?

Frau Schulze: Der Frauenanteil in der Sparkasse Rhein-Haardt war schon immer hoch, so dass auch dieses Thema uns seit Jahren begleitet. Auch der Anteil an Teilzeitbeschäftigten ist schon lange überdurchschnittlich hoch. Dabei ist die Ausübung der Teilzeitarbeit in unterschiedlichsten Modellen möglich. Von einer täglich reduzierten Stundenzahl bis zum wöchentlichen Wechsel gibt es zahlreiche Variationen. Waren es bis vor wenigen Jahren ausschließlich Frauen, die in Teilzeit arbeiteten, wächst die Zahl der Männer, die sich ebenfalls mehr Zeit für die Familienarbeit nehmen.

Ganz neu ist die Möglichkeit des Mobilen Arbeitens bei Tätigkeiten, die keine ständige Präsenz am betrieblichen Arbeitsplatz erfordern. Basis ist eine Betriebsvereinbarung zur Mobilen Arbeitszeit einerseits, aber auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern. Dabei muss man auch hinterfragen, wo eine ständige Präsenz wirklich erforderlich ist und sich von alten Vorstellungen lösen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die diese Form des Arbeitens nutzen können, gewinnen durch den Wegfall von Anfahrtszeiten zum Arbeitsplatz mehr freie Zeit, mehr Zeit für sich selbst, die Familie und mehr Lebensqualität. Nebenbei leisten sie noch einen kleinen Beitrag zum Schutz unserer Umwelt.


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